the-pit.de, 15.02.2012 – Rating 8 of 10

Eine melodiöse, ständig energievolle Reise durch die Phantasie-Welten

Wie eine kleine Kampfansage mutet gleich der erste Satz im Promoschreiben an: „Power Metal ist tot, es lebe der Power Metal.“ Fans dieser Spielart müssen sich natürlich immer wieder gefallen lassen, einem Genre zu lauschen, welches wenig innovativ die Grenzen auslotet. Doch auch hier kann man ein kämpferisches „Warum auch“ in die Diskussion einwerfen, denn ein Rad muss nicht immer zum x-ten Male neu erfunden werden, Spaß soll die Mucke machen. Die Dortmunder Power Metaller Solar Fragment wollen auf ihrem nun zweiten Longplayer „In Our Hands“ (zuvor gab es 2005 eine Drei-Track-Promo und das „A Spark Of Deity“-Debut von 2007) dem Musikbusiness ein paar weitere lebendige Farbtupfer auftragen.

Da sie in der Vergangenheit mehr als einmal mit den blinden Wächtern aus Krefeld verglichen wurden, treten die Jungs ohrenscheinlich die Flucht nach vorne an und präsentieren mit Hansi Kürsch von eben jenen Blind Guardian einen prominenten Gastsänger. SF-Frontmann Robert hatte ja auch schon in der Vergangenheit durch ein Duett mit der Dawn Of Destiny-Ex Tanja Maul punkten können, und auch bei „Inside The Circle“ harmonieren die beiden Frontdominanzen so gut, dass man hierfür glatt die Höchstnoten ziehen muss. Natürlich, eine gewisse Nähe zwischen der Machart der Krefelder und der Solar Fragmentoren ist natürlich gegeben, kommt aber ohne episch-klebriges Pathos-Keyboard-Geschwurbel aus, es ist einfach ganz großes Kino, wie sich die beiden die Vocallines zuwerfen.

Einen Schulterschluss mit dem eigenen Debut „A Spark Of Deity“ legen Solar Fragment mit dem Opener „In Our Hands“ hin, wenn es gleich in der ersten Zeile „The spark of deity ignites in our hands“ heißt – die Dortmunder verfeinern also gleich dort weiter, wo sie 2007 aufgehört haben – Double-Bass-Power trifft auf harte metallische Riffs, und vor allem können auch sie sich offenbar scheinbar locker einen extrem mitsingbaren Refrain aus dem Ärmel schütteln, was bei dieser Art der Musik immer wieder so wichtig ist. Schade nur, dass sie im Mittelteil ein wenig zu sehr das Tempo verschleppen, so wird es zwar ein wenig abwechslungsreicher, Solar Fragment opfern aber so ein Stück weit die powervolle Eingängigkeit.

Ihre Texte siedeln sie im Fantasy-Bereich an, und greifen sie mit dem Opener schon die „Fragment Of The Sun“-Story weiter auf, so legen sie mit „Once Again“ in diesem Bereich nochmals nach, glänzen auch hier mit sehr differenzierter Gitarrenarbeit zwischen Power und Eingängigkeit, packen gleich ein ganzes feuriges Bündel an Melodien hinein und beweisen auch hier mit dem Refrain, dass sie genau dafür das richtige Gespür haben.

Was bei den Ruhrpott-Power-Metallern besonders positiv ins Gehör fällt ist auch der Verzicht jeglicher Keyboards, auch bei dem balladesk startenden „Race The Seas“ – ein Stück, bei dem man gerade Saschas Drumming herausstellen sollte, schafft er es doch immer wieder, mit unaufdringlichen progressiven Versatzstücken den Songs einen einen eigenen Stempel aufzudrücken, stellt sich dabei aber wie auch bei „Race The Seas“ komplett in den Dienst der Band und verzichtet auf Egotrips – die Gitarrenfront schließt sich dem übrigens ebenfalls an, Teamwork ist hier ganz groß geschrieben.

Während thematisch „Come Hell Or High Water” mit dem Pirateninhalt eher zu den rennenden Wilden aus Hamburg passen würden, sind auch hier musikalisch Parallelen zu den Krefeldern Blind Guardian auszumachen. Auch „Moana’s Return“ hat den einen gemeinsamen Ursprung, doch Solar Fragment setzen hier „Pans Labyrinth“ mit druckvoller Power und epischer Melodie herrliche Akzente.

Was hat sich bei Solar Fragment gegenüber dem Debut verändert? Sicher, ein Übersong und ein unbedingtes Live-Muss wie „Take Me Higher“ vom Debut schreibt man nicht alles Tage, doch die Dortmunder haben es auf vorliegendem Werk „In Our Hands“ locker geschafft, die Messlatte noch ein Stückchen mehr nach oben zu hieven – eine melodiöse, ständig energievolle Reise durch die Phantasie-Welten von Literatur und eigenen Kopfkinos. Sie haben es tatsächlich in der eigenen Hand, zu den ganz Großen des Genres aufzuschließen, denn auch live haben sie sich immer mehr herausgeputzt, vor allem Sänger Robert ist sich seiner Stärke immer mehr bewusst und gib so Solar Fragment eine kaum mehr wegzudenkende Identität. Wenn es Solar Fragment jetzt noch schaffen, die blinden Wächter abzuschütteln, dann dürfte auch endlich der verdiente internationale Erfolg winken, denn national gehören sie mit „In Our Hands“ schon zu den Großen.

Jörg Müller the-pit.de

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